Der Award
für kreative Strassenlöcher-Proteste

Null Geld, aber viele Ideen. Wir prämieren die ideenreichsten und effizientesten Schlagloch-Proteste der Welt.

Als Schwei­zer begeg­net man einem Schlag­loch etwa so oft wie einem Bären: theo­re­tisch ist es mög­lich, prak­tisch aber ein Ereig­nis, von dem man noch den Gross­kin­dern erzählt.

Es gibt aber Orte, da gehö­ren Löcher in der Stras­se zum All­tag, manch­mal sogar rich­ti­ge Kra­ter. Die zustän­di­ge Ver­wal­tung begeg­net Beschwer­den mit einer Mischung aus Schwei­gen und Nichts­tun. Und so grei­fen man­che Bür­ger zur gröss­ten Waf­fe, die ihnen bleibt: ihrer Fantasie.

Grund genug, den roten Tep­pich aus­zu­rol­len und die­se Form von «Krea­ti­vi­tät ohne Geld» zu prämieren. 

Also:

«Wel­co­me to the Gol­den Cones, cele­bra­ting inter­na­tio­nal crea­ti­vi­ty, cou­ra­ge and mild van­da­lism in the noble art of pot­ho­le protest.»

Bes­te Bepflan­zung
Die weit­aus belieb­tes­te Kate­go­rie des Abends. In erstaun­lich vie­len Län­dern stop­fen generv­te Bür­ger ihre Kra­ter mit Blu­men und Zier­pflan­zen. Viel­leicht, weil ein blü­hen­des Loch die freund­lichs­te Art ist, zu sagen: «Hier hat jemand versagt».

Eine Bron­ze-Pylo­ne geht an Island, für die Blu­men in den Kra­tern zwi­schen Stykki­shólm­ur und Búðard­alur – einer Stras­se, die sich nach Asphalt sehnt und bei den ört­li­chen Auto­reparatur­stätten bestimmt für viel Umsatz sorgt.

Sag’s mit Blu­men, auch auf der Stras­se. Das Jahr zuvor pro­tes­tier­ten die Bür­ger mit einem nächt­li­chen Golf­tur­nier auf der durch­lö­cher­ten Strasse.

Die Sil­ber­ne Pylo­ne geht an Har­ry Smith-Hag­gett aus dem eng­li­schen Hor­s­ham, den viel­leicht bekann­tes­ten Schlag­loch-Gärt­ner der Gegen­wart. Der Land­schafts­gärt­ner pflanzt auf­fäl­li­ge Pri­meln in die Kra­ter von West Sus­sex, filmt das Gan­ze und trägt dabei eine pin­ke Warn­wes­te, auf deren Rücken «Pret­ty Pot Holes» steht. 

Sei­ne Vide­os auf Tik­tok wer­den mil­lio­nen­fach ange­se­hen und bewe­gen mitt­ler­wei­le sogar die Behör­den: Kaum ist ein Stras­sen­loch mit Blu­men ver­se­hen, wird es offi­zi­ell geflickt.

Fragt sich nur: War­um eigent­lich nicht vorher?

Die Pylo­ne für ange­wand­te Ver­schlimm­bes­se­rung
Ein Spe­zi­al­preis geht an eine unbe­kann­te Per­son im Süd­wes­ten Flo­ri­das. Um zu demons­trie­ren, wie tief die loka­len Stras­sen­lö­cher waren, pflanz­te sie Bana­nen­bäu­me hinein.

Sie mach­te also auf ein Pro­blem auf­merk­sam, indem sie es grös­ser mach­te. Als Wer­be­stra­te­gie cle­ver, für die Ver­kehrs­si­cher­heit eher nicht.

Vor­her war hier ein Stras­sen­loch, jetzt ein Strassenbananenbaum. 

Bes­ter Ein­satz von Tie­ren
Gegen den indi­schen Künst­ler Baa­dal Nan­jund­as­wa­my kommt in die­ser Kate­go­rie nie­mand an: Er dra­pier­te in einem Stras­sen­kra­ter in Banga­lo­re ein lebens­gros­ses Kro­ko­dil, das der­art über­zeu­gend lau­er­te, dass der Ver­kehr respekt­voll auswich.

Auf die Short­list schaff­ten es die Dorf­be­woh­ner aus Oxford­shire, die ihre Kra­ter mit Gum­mi­en­ten besetzten.

Indi­en kämpft mit Kro­ko­di­len gegen Stras­sen­lö­cher, Eng­land mit Gummienten.

Publi­kums­preis
Die gros­se Publi­kums-Pylo­ne geht an die Thai­län­de­rin, die ihren Ärger über die rie­si­gen Löcher in der Stras­se äus­ser­te, indem sie dar­in «Pro­test­bä­der» nahm. Ihre Bil­der auf Social Media moti­vier­ten zahl­rei­che ande­re Frau­en, es ihr gleichzutun.

Bes­ter Text 
Gold in der Kate­go­rie Text geht an eine anony­me Akti­vis­tin aus der eng­li­schen Stadt Daven­try, die über Nacht 46 hand­ge­mal­te Schil­der auf­stell­te und mit ker­ni­gen Sprü­chen gegen die Schlag­lö­cher wet­ter­te: «Will­kom­men in Pot­ho­le City – Part­ner­stadt: Grand Can­yon». Über die Akti­on berich­te­ten erst die Lokal­zei­tun­gen, dann die natio­na­len Medi­en. Und sie­he da: Sogleich ver­spra­chen die Stadt­be­hör­den Besserung. 

Bes­te Kam­pa­gnen-Erwei­te­rung
Die Schil­der-Akti­on aus Daven­try schlug der­art hohe Wel­len, dass ein gewief­ter loka­ler Bäcker «Pot­ho­le Pastry» auf den Markt brach­te; ein Gebäck mit einem Schoko-«Pneu», der in einem Schlag­loch steckt.

Die süs­ses­te Art, sich über man­geln­de Infra­struk­tur auf­zu­re­gen: Pot­ho­le Pastry aus Daventry.

Bes­tes Spon­so­ring
Nicht jeder Pro­test kommt von unten. Der Piz­za­kon­zern Domino’s arbei­te­te 2018 unter dem Titel «Paving for Piz­za» mit ver­schie­de­nen Städ­ten zusam­men, damit die­se ihre Löcher flick­ten. Begrün­dung: «Bad roads should­n’t hap­pen to good pizza.»

Der Pro­test-Effie
Der anony­me bri­ti­sche Spray­er «Wank­sy» ver­ziert Schlag­lö­cher mit ana­to­misch expli­zi­ten Zeich­nun­gen, in der tref­fen­den Annah­me, dass eine Behör­de, die mona­te­lang kein Loch stopft, plötz­lich sehr flink wird, sobald dar­um her­um ein Penis prangt. 

Bra­chi­al­ge­walt statt Fein­ge­fühl, aber höchst effi­zi­ent: eine Spray­do­se, ein paar Sekun­den pro Nacht – und fer­tig ist der Pro­test. Am nächs­ten Mor­gen sind alle empört, und schon rückt das Tief­bau­amt aus.

Bür­ger­sinn und Van­da­lis­mus, so nah beieinander.

Der Grand Prix
Und nun, Ladies and Gen­tle­men, der Höhe­punkt des Abends. Die Jury hat lan­ge gerun­gen – und dann etwas Uner­hör­tes beschlos­sen: Der Grand Prix geht nicht an einen Pro­test, son­dern an sei­ne Abschaffung.

Immer mehr Ort­schaf­ten auf die­ser Welt lösen das Pro­blem denk­bar unspektakulär:

Mit einer Website.

In Zürich (zueriwieneu.ch), Paris, Lon­don, Liver­pool und, und, und mel­det man ein Schlag­loch heu­te mit ein paar Klicks: Adres­se, Kar­te, Beschrei­bung, fertig.

Kein Kro­ko­dil, kei­ne Pri­meln, kein Penis. Nur ein For­mu­lar, das funktioniert.

Liver­pool ver­spricht sogar, gefähr­li­che Löcher innert zwei Stun­den zu sichern – wobei das Loch min­des­tens vier Zen­ti­me­ter tief sein muss, nach­zu­mes­sen mit zwei auf­ein­an­der­ge­leg­ten 20-Pence-Münzen.

Sogar Daven­try, die­sel­be Stadt, deren «Pot­ho­le City»-Schilder wir eben noch gefei­ert haben, betreibt heu­te ein offi­zi­el­les Online-For­mu­lar zum Mel­den von Schlaglöchern.

Es ist die wun­der­bar lang­wei­ligs­te Lösung der Welt, ein büro­kra­ti­scher Meis­ter­streich, der den krea­ti­ven Pro­test auf der Stras­se über­flüs­sig macht. Wir ver­nei­gen uns vor so viel digi­ta­ler Effi­zi­enz und über­rei­chen die Gol­de­ne Pylo­ne an die Ser­ver­räu­me der Tiefbauämter.

Der hier erst­mals durch­ge­führ­te Stras­sen­loch-Pro­test-Award ist damit auch der letzt­mals vergebene.

Fast schon ein biss­chen scha­de um die Kro­ko­di­le und Blu­men auf den Strassen.

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